Die Zukunft?

Im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Dresden fanden am 26. Mai zwei Debates on Europe Veranstaltungen statt. Im Fokus der beiden Panels stand der Krieg in der Ukraine und dessen Auswirkungen.

Auf Panel #1 diskutierten Kateryna Mishchenko, Nicolai von Ondarza und Piotr Buras über Geflüchtete, EU-Erweiterung und europäische Ideale. Mishchenko sprach darüber, dass sie und andere Ukrainer und Ukrainerinnen sich fühlten, „als seien wir Botschafter einer düsteren Zukunft … oder Vergangenheit … oder irgendeiner anderen Zeit. Aber ich fürchte, wir sprechen von der Zukunft.“ Sie hob auch hervor, dass sich Solidarität nicht nur auf die beschränken sollte, die in anderen Ländern Zuflucht suchen: „Mit dem Kopf bin ich immer noch in der Ukraine, ich denke an die Menschen dort. Auch sie verdienen Solidarität.“ Und was die sogenannten europäischen Ideale beträfe, hätte sie schon seit Langem mit Ernüchterung festgestellt, wie es um diese Ideale wirklich bestellt sei: beispielsweise seitdem Menschen sich vor Gericht dafür verantworten müssten, dass sie Frauen und Männer vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet haben. Eric Maurice moderierte die Veranstaltung.

Auf Panel #2 sprachen Mark Leonard, Sylvie Kauffman und Anton Shekhovtsov über die geopolitischen Veränderungen und Konsequenzen des Krieges in der Ukraine und die unterschiedlichen Reaktionen auf den Krieg: in Europa und außerhalb Europas. Leonard hob hervor, dass die Reaktionen auf den Krieg in den Ländern des sogenannten globalen Südens auch mit dem Erbe des Kolonialismus und dem Kampf um Souveränität verbunden sind – Faktoren, die, wenn in Europa über Russland und die Ukraine diskutiert wird, gewöhnlich nicht beachtet werden. Shekhovtsov fügte im Zusammenhang hiermit hinzu, dass in diesem breiteren, globalen Kontext vergessen wird, sich in der Ukraine folgende Frage zu stellen: „Warum soll sich jemand plötzlich für das interessieren, was in deinem Land vorgeht?“ Er warnte aber auch vor der diskursiven Begrenzung von Europa auf ausschließlich Westeuropa, wenn von Kolonialismus und Imperialismus gesprochen wird. Zuletzt betonte Kauffman außerdem, dass der Ausgang des Krieges die zukünftigen Beziehungen zu China wesentlich prägen wird. Volker Weichsel von Osteuropa moderierte die Veranstaltung.

In Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden | Gefördert durch die Kulturstiftung der Länder